19.02.2026

Künstliche Intelligenz: Technologie ersetzt keine Führung

Interview mit Leadership-Expertin Maike July – KI zentrales Thema bei der kommenden New Work Evolution vom 5.-7. Mai 2026

Inzwischen setzen 20 Prozent der deutschen Unternehmen auf Künstliche Intelligenz (KI), unter Großunternehmen sind es fast 50 Prozent, so meldete das Statistische Bundesamt im vergangenen Jahr. Doch wird KI nicht nur in Einzelfällen, sondern flächendeckend eingesetzt, beispielsweise, um Mitarbeitende von automatisierten Aufgaben zu entlasten, stellt sich automatisch die Frage, wie sich Teams dadurch wandeln. Insbesondere Führungskräften kommt hier eine wichtige Rolle zu. Wir haben mit Maike July von July Leadership Consulting, Speakerin der xChange, gesprochen und sie gefragt, welche Herausforderungen auf Team Leads warten.

Maike July

Führung in Zeiten von KI: Wie stehen Führungskräfte aktuell zu KI, Frau July?

Maike July: Die Stimmung ist aktuell ein Mix aus Faszination und gesundem Respekt. Ich beobachte eine Dreiteilung:

Die Pioniere: Sie nutzen KI bereits als "Sparringspartner" für Strategien oder zur Effizienzsteigerung. Die Skeptiker: Sie sorgen sich primär um Datenschutz, Arbeitsplatzverlust und den Kontrollverlust über Prozesse. Die Abwartenden: Die größte Gruppe. Sie wissen, dass KI wichtig ist, suchen aber noch nach dem konkreten Hebel für den Einsatz in ihren Führungsalltag.

Insgesamt wandelt sich das Bild langsam gerade: Weg vom reinen "Hype-Thema" hin zur Erkenntnis, dass KI kein IT-Projekt ist, sondern eine kulturelle Transformationsaufgabe, die ganz oben auf der Agenda stehen muss.

Welche Chancen und Fallstricke können Führungskräfte erwarten?

Maike July: Die Chancen sind mehr Entlastung im Management, weil KI administrative Aufgaben (Reporting, Planung, Datenanalyse) übernimmt. Das schafft Freiraum für das, was Führung eigentlich ausmacht: Empathie, Coaching und Vision sowie eine bessere Entscheidungsbasis. KI liefert datenbasierte Insights in Echtzeit, die menschliche Einschätzung wertvoll ergänzen können.

Die Fallstricke sind die "Black Box" Falle. Sich blind auf Algorithmen zu verlassen, ohne sie zu hinterfragen. Führung bedeutet weiterhin, die Verantwortung für die letzte Entscheidung zu tragen sowie der Verlust der psychologischen Sicherheit. Wenn Führungskräfte KI einführen, ohne die Ängste des Teams zu adressieren, bricht das Vertrauen weg. KI-Kompetenz muss heute auch emotionale Intelligenz beinhalten.

Kann KI denn zum Teammitglied werden?

Maike July: Ich sage Ja, aber in einer speziellen Rolle. Die KI ist das Teammitglied, das niemals schläft, Millionen Dokumente in Sekunden liest und Routineaufgaben perfekt beherrscht. Aber sie ist ein Teammitglied ohne moralischen Kompass und sozialer Intuition. Wir sprechen hier von der "Human-AI-Collaboration". Ein Team der sehr nahen Zukunft besteht aus menschlichen Experten (Kreativität, Empathie, Ethik) und KI-Agenten (Daten, Geschwindigkeit, Skalierung). Die Führungskraft moderiert dieses Zusammenspiel.

Gerade im Bereich Potenzialanalyse setzen Unternehmen inzwischen auf KI: Wie sehen Sie das?

Maike July: KI kann helfen, Potenziale sichtbar zu machen, die lange übersehen wurden – gerade leise, konstante Leistung. Das ist eine echte Chance für mehr Fairness. Aber: Potenzial ist mehr als Performance-Daten. Die Motivation, Ambitionen, Lebensphasen, mögliche innere Blockaden, all das erkennt die KI nicht. Deshalb ist meine klare Haltung: KI darf Potenziale aufzeigen und Vorschläge machen, aber die finale Einschätzung eines Menschen – das Gespür für den "Cultural Fit" und die persönliche Entwicklungslust – bleibt unersetzlich.

Generell gilt: Technologie ersetzt keine Führung. Wer KI nutzt, aber nicht führt, hat am Ende nur Zahlen und keine Teams.

Vielen Dank für das Gespräch.

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