03.03.2026

„Organisationen ringen noch mit der Frage, was sie dürfen statt was sie können wollen“

Interview zu Künstlicher Intelligenz und ihren Auswirkungen auf modernes Arbeiten – New Work Evolution 2026: Fachmesse und Community Gathering in Karlsruhe

Der derzeitige technologische Umbruch rund um künstliche Intelligenz ist immens – die organisationalen Strukturen jedoch hinken dem Tempo der Technologie jedoch deutlich hinterher. Wir haben mit Tim Jäger von Blackboat gesprochen, der kürzlich im Rahmen der xChange zum Thema „KI-Wahnsinn“ gesprochen hat. Er ordnet für uns ein, in welche Phase der technologischen Entwicklung wir uns aktuell befinden und was Organisationen tun müssen, um Schritt zu halten und ihre Mitarbeitenden zu befähigen. KI und ihre Auswirkungen auf moderne Arbeitskultur und organisationale Strukturen sind auch ein zentrales Thema der Messe New Work Evolution vom 5. bis zum 7. Mai 2026 in Karlsruhe.

Tim, was genau ist für Dich der KI-Wahnsinn?

Der KI-Wahnsinn besteht für mich vor allem in der Gleichzeitigkeit. Die Technologie entwickelt sich exponentiell, täglich entstehen neue Tools, Use Cases und Möglichkeiten. Gleichzeitig entwickeln sich unsere Arbeitsmodelle, Entscheidungsstrukturen und Lernprozesse meist noch linear. Dieses Spannungsfeld sorgt für Reibung, Überforderung, aber auch riesiges Potenzial. Wahnsinn bedeutet hier also nicht nur Tempo, sondern auch Orientierungslosigkeit. Genau deshalb brauchen wir Führung, Haltung und eine neue digitale Mündigkeit.

Verglichen mit disruptiven Technologien der Vergangenheit: An welchem Punkt der Entwicklung befinden wir uns aktuell?

Wir stehen mitten im Übergang aus der Experimentierphase heraus und hinein in die erste große Umbruchwelle. Teilweise sogar in eine KI-Ernüchterung. Weil Technologie eingeführt wurde, die Menschen jedoch nicht mitgenommen wurden und Technologie für Use Cases verwendet wurden, die technologisch noch nicht machbar waren. Verglichen mit früheren Technologien wie dem Internet oder dem Smartphone erleben wir diesmal eine deutlich schnellere Go-to-Market-Dynamik. KI ist längst in der Hosentasche der Menschen angekommen, während viele Organisationen noch mit der Frage ringen, was sie dürfen, statt was sie können wollen. Der technologische Reifegrad ist hoch, jetzt müssen die organisationalen und kulturellen nachziehen.

KI und Arbeit: Wie verändert KI unsere Arbeit und unsere Teams?

KI verändert weniger, was wir tun, sondern vor allem wie wir es tun. Sie übernimmt Routinen, bietet Kontext, entlastet Prozesse und schafft dadurch Raum für das, was echte Zusammenarbeit ausmacht: Kommunikation, Kreativität, Entscheidungen. Teams, die KI als Co-Pilot verstehen, können schneller agieren, besser priorisieren und souveräner navigieren. Dafür braucht es Vertrauen, digitale Kompetenzen und ein Leadership-Verständnis, das Enablement über Kontrolle stellt.

Was müssen Unternehmen tun, um AI Readiness bei Mitarbeitenden zu erwirken?

Unternehmen müssen KI erlebbar machen und aktiv in der Breite enablement-orientiert vermitteln. Es reicht nicht, Tools bereitzustellen und auf Eigeninitiative zu hoffen. AI Readiness entsteht nur dann, wenn alle Mitarbeitenden befähigt werden, mit der Technologie produktiv und reflektiert umzugehen. Dazu braucht es eine Lernkultur, leistungsfähige Tools und das klare Buy-in des C-Levels. Ohne echtes Vorleben und Priorisierung von ganz oben bleibt es bei Einzelinitiativen statt gelebter Transformation.

Vielen Dank für das Gespräch!

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